Target Costing und Design to Cost sind zwei unterschiedliche Ansätze im Kostenmanagement der Produktentwicklung: Target Costing leitet Kostenziele aus dem Marktpreis ab und steuert die Entwicklung darauf hin, während Design to Cost Kosten als feste Designbedingung behandelt, die von Anfang an in jede technische Entscheidung einfließt. Beide Methoden verfolgen das Ziel, Produkte kosteneffizient zu entwickeln, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Ausgangspunkt, Steuerungslogik und Anwendungskontext. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen zu beiden Ansätzen und zeigen, wann welcher Einsatz sinnvoll ist.
Welche Ziele verfolgt Target Costing in der Produktentwicklung?
Target Costing zielt darauf ab, die maximal zulässigen Herstellkosten eines Produkts aus dem erzielbaren Marktpreis abzuleiten und die gesamte Produktentwicklung auf diesen Zielkostenwert auszurichten. Der Ausgangspunkt ist nicht die Kalkulation, sondern der Markt: Vom akzeptierten Verkaufspreis wird die angestrebte Gewinnmarge abgezogen, und das Ergebnis definiert die erlaubten Kosten. [1]
Diese marktorientierte Logik macht Target Costing zu einem strategischen Steuerungsinstrument. Die Methode wurde in den 1960er Jahren bei Toyota entwickelt und ist seitdem besonders in der Automobil- und Elektronikindustrie verbreitet. [2] Sie stellt sicher, dass Kostenziele nicht erst nach Abschluss der Entwicklung geprüft werden, sondern von Beginn an als verbindliche Vorgabe in alle Konstruktions- und Bauteilentscheidungen einfließen.
Im praktischen Ablauf werden die Gesamtzielkosten anschließend auf Baugruppen, Komponenten und Funktionen heruntergebrochen. Dieser Schritt wird als Zielkostenspaltung bezeichnet und ermöglicht es, den Kostendruck gezielt dorthin zu lenken, wo er technisch und wirtschaftlich am wirksamsten ist. [1] Für physische Produkte mit komplexen Lieferketten, etwa im Maschinenbau oder in der Luft- und Raumfahrt, erlaubt dieses Vorgehen eine differenzierte Steuerung bis auf Zuliefererebene.
Welche Ziele verfolgt Design to Cost in der Produktentwicklung?
Design to Cost verfolgt das Ziel, ein vorab festgelegtes Kostenlimit als harte Konstruktionsbedingung zu behandeln, die gleichrangig neben Leistung, Qualität und Gewicht steht. Kosten sind dabei keine Ergebnisgröße, die am Ende der Entwicklung gemessen wird, sondern ein Designparameter, der jede technische Entscheidung aktiv beeinflusst. [3]
Der Ansatz stammt ursprünglich aus der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie, wo Budgetüberschreitungen besonders schwerwiegende Konsequenzen haben, und hat sich von dort aus in andere Branchen mit hohem Kostendruck ausgebreitet. [3] Das Kostenlimit wird zu Projektbeginn festgelegt und bleibt über die gesamte Entwicklungsdauer verbindlich. Konstrukteure sind dadurch von Anfang an gefordert, Lösungen zu finden, die innerhalb des Budgets realisierbar sind, anstatt zunächst technisch optimal zu konstruieren und danach die Kosten zu optimieren.
Typische operative Maßnahmen im Rahmen von Design to Cost sind die Reduktion der Teileanzahl, der Einsatz standardisierter Komponenten, die Auswahl fertigungsgerechter Geometrien sowie die gezielte Materialsubstitution. Diese Maßnahmen sind direkt mit schlanker Produktentwicklung verknüpft, da sie Komplexität und Ressourcenbedarf gleichzeitig reduzieren. [4]
Was ist der konkrete Unterschied zwischen Target Costing und Design to Cost?
Der zentrale Unterschied zwischen Target Costing und Design to Cost liegt im Ausgangspunkt der Kostensteuerung: Target Costing leitet Kostenziele aus dem Marktpreis ab und fragt, was ein Produkt kosten darf. Design to Cost legt ein fixes Kostenbudget als Konstruktionsbedingung fest und fragt, was für diesen Betrag entwickelt werden kann. Beide Methoden steuern Kosten aktiv, aber mit unterschiedlicher Logik und Perspektive.
Unterschied im Ausgangspunkt
Target Costing beginnt extern: Der Markt, genauer der akzeptierte Kundenpreis, definiert den Rahmen. Die Entwicklung wird dann darauf ausgerichtet, die daraus abgeleiteten Zielkosten zu erreichen. Design to Cost beginnt intern: Ein Budget wird festgelegt, häufig durch strategische oder finanzielle Vorgaben, und die Entwicklung muss innerhalb dieses Budgets ein funktionsfähiges Produkt liefern. [1][3]
Unterschied in der Steuerungslogik
Target Costing ist iterativ und funktionsorientiert. Es bewertet, welchen Wert eine Funktion für den Kunden hat, und leitet daraus ab, wie viel diese Funktion kosten darf. Dieses Vorgehen ist eng mit der Wertanalyse (Value Engineering) verbunden. [2] Design to Cost ist budgetorientiert und konstruktionsnah. Es setzt das Kostenlimit als absolute Grenze und fordert Ingenieure auf, innerhalb dieser Grenze technisch sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Kompromisse bei Funktionsumfang oder Leistung sind dabei ausdrücklich erlaubt, solange das Budget eingehalten wird.
In der Praxis sind die Grenzen zwischen beiden Methoden nicht immer scharf. Viele Unternehmen im Maschinenbau oder in der Automobilzuliefererindustrie nutzen Elemente beider Ansätze gleichzeitig, ohne sie explizit zu benennen. Der konzeptionelle Unterschied bleibt jedoch relevant, weil er bestimmt, welche Entscheidungen im Entwicklungsprozess Priorität haben und wie Zielkonflikte aufgelöst werden.
Wann sollte ein Unternehmen Target Costing einsetzen?
Target Costing ist dann die richtige Wahl, wenn der Marktpreis bekannt und stabil ist, der Wettbewerbsdruck über den Preis ausgeübt wird und das Unternehmen neue Produkte entwickelt, deren Funktionsumfang noch gestaltbar ist. Die Methode entfaltet ihren größten Nutzen in frühen Phasen der Produktentwicklung, wenn noch keine konstruktiven Festlegungen getroffen wurden. [1]
Besonders geeignet ist Target Costing in folgenden Situationen:
- Serienprodukte mit bekanntem Wettbewerbsumfeld und klaren Preiserwartungen der Kunden, etwa im Automotive-Bereich
- Produktneuentwicklungen, bei denen Funktionen und Leistungsmerkmale noch verhandelbar sind
- Unternehmen mit strukturierten Entwicklungsprozessen, die eine systematische Zielkostenspaltung auf Komponentenebene ermöglichen
- Projekte, in denen Zulieferer frühzeitig in die Kostensteuerung eingebunden werden sollen [2]
Weniger geeignet ist Target Costing, wenn der Marktpreis schwer vorhersagbar ist, wenn es sich um hochspezialisierte Einzelanfertigungen handelt oder wenn der Entwicklungsprozess bereits weit fortgeschritten ist und kaum noch konstruktiver Gestaltungsspielraum besteht.
Wann ist Design to Cost die bessere Wahl?
Design to Cost ist die bessere Wahl, wenn ein fixes Budget nicht verhandelbar ist, wenn Kostenüberschreitungen direkte strategische oder finanzielle Konsequenzen hätten oder wenn die Produktfunktionen gegenüber dem Kostenziel nachrangig behandelt werden können. Die Methode eignet sich besonders für Situationen, in denen der Kostendruck so hoch ist, dass er als harte Designbedingung verankert werden muss. [3]
Typische Anwendungsfelder sind:
- Projekte mit fest vorgegebenen Budgets, etwa bei öffentlichen Aufträgen oder intern budgetierten Plattformprojekten
- Kostengetriebene Produktvarianten, bei denen eine günstigere Ausführung eines bestehenden Produkts entwickelt werden soll
- Entwicklungsprojekte in kapitalintensiven Branchen wie der Luft- und Raumfahrt, wo Budgetdisziplin strukturell verankert ist [3]
- Situationen, in denen Rohstoff- und Fertigungskosten besonders volatil sind und Kostenpuffer nicht vorhanden sind [4]
Design to Cost setzt voraus, dass das Entwicklungsteam bereit und in der Lage ist, Funktionskompromisse zu akzeptieren. Wenn Leistungsanforderungen vollständig erfüllt werden müssen und gleichzeitig ein festes Budget gilt, entsteht ein Zielkonflikt, der sich durch keine der beiden Methoden allein auflösen lässt.
Wie lassen sich Target Costing und Design to Cost kombinieren?
Target Costing und Design to Cost lassen sich wirkungsvoll kombinieren, indem Target Costing die Zielkosten auf Produktebene definiert und Design to Cost diese Zielkosten anschließend als verbindliche Konstruktionsbedingung in der operativen Entwicklung verankert. Diese Kombination verbindet die marktorientierte Perspektive des Target Costing mit der konstruktiven Disziplin des Design to Cost. [1][3]
In der Praxis funktioniert diese Verbindung in drei Schritten:
- Zielkostendefinition: Aus dem erzielbaren Marktpreis werden die maximal zulässigen Herstellkosten abgeleitet (Target Costing).
- Zielkostenspaltung: Die Gesamtzielkosten werden auf Baugruppen und Komponenten heruntergebrochen und als Budgetvorgaben für die Konstruktion festgelegt.
- Konstruktive Umsetzung: Jede Bauteilentscheidung wird gegen das zugewiesene Kostenbudget geprüft (Design to Cost), bis das Gesamtziel erreicht ist. [2]
Dieser integrierte Ansatz ist besonders relevant für Unternehmen, die komplexe physische oder mechatronische Produkte entwickeln, bei denen sowohl Marktpositionierung als auch Fertigungskosten strategisch relevant sind. Im agilen Projektmanagement lässt sich die Kombination gut in iterative Entwicklungszyklen einbetten, weil Kostenziele in jedem Sprint überprüft und bei Bedarf angepasst werden können.
Wichtig ist dabei, dass die Zielkostenvorgaben realistisch und mit dem tatsächlichen Fertigungskontext abgeglichen sind. Zielkosten, die technisch nicht erreichbar sind, führen zu Frustration im Entwicklungsteam und zu Qualitätskompromissen, die erst in der Serienproduktion sichtbar werden.
Wie Evoluconsult Sie beim Kostenmanagement in der Produktentwicklung unterstützt
Wir bei Evoluconsult unterstützen Unternehmen dabei, Target Costing und Design to Cost nicht als isolierte Methoden, sondern als integrierte Steuerungsinstrumente in ihre Produktentwicklungsprozesse einzubetten. Unser Ansatz verbindet methodisches Fachwissen mit langjähriger Erfahrung aus der industriellen Praxis in Automobil, Maschinenbau, Anlagenbau und Luft- und Raumfahrt.
Konkret unterstützen wir Sie bei:
- Aufbau und Implementierung von Target-Costing-Prozessen: Von der marktorientierten Zielkostendefinition bis zur strukturierten Zielkostenspaltung auf Komponenten- und Zuliefererebene
- Verankerung von Design-to-Cost-Prinzipien in der Konstruktion: Integration von Kostenlimits als verbindliche Designbedingungen in bestehende Entwicklungsmethoden und Gate-Prozesse
- Verbindung mit Lean-Development-Prinzipien: Reduktion von Komplexität, Teileanzahl und Fertigungsaufwand als Teil eines schlanken Entwicklungsprozesses
- Coaching und Befähigung von Entwicklungsteams: Damit Ihre Mitarbeitenden Kostenziele eigenständig steuern können, ohne dauerhaft auf externe Unterstützung angewiesen zu sein
Wenn Sie Ihre Produktentwicklung kosteneffizienter gestalten und Zielkosten konsequent einhalten möchten, sprechen Sie uns an. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir gemeinsam analysieren, welcher Ansatz zu Ihrem Entwicklungskontext passt.
Quellen
- Cooper, R. & Slagmulder, R. (1997): Target Costing and Value Engineering. Productivity Press. Standardwerk zur Methodik und Anwendung des Target Costing in der Produktentwicklung.
- Sakurai, M. (1989): Target Costing and How to Use It. Journal of Cost Management, Summer 1989, S. 39–50. Grundlegende Beschreibung der Toyota-Ursprünge und der operativen Anwendung.
- Department of Defense (USA) (1983): Design to Cost, MIL-STD-337. Ursprüngliche Normierung des Design-to-Cost-Ansatzes für Rüstungs- und Raumfahrtprojekte; methodische Grundlage für industrielle Adaptionen.
- Ehrlenspiel, K., Kiewert, A. & Lindemann, U. (2014): Kostengünstig Entwickeln und Konstruieren, 7. Auflage. Springer Vieweg. Standardwerk für kostengerechte Konstruktion physischer Produkte im deutschsprachigen Raum.
